5. Meditative Übungen                                                                       

5.1 Erklärung
5.2 Ort und Zeit
5.3 Meditationshaltungen
5.3.1 Der Lotussitz
5.3.2 Der „halbe“ Lotussitz
5.3.3 Der Schneidersitz
5.3.4 Der Fersensitz
5.3.5 Im Liegen
5.3.6 Auf einem Stuhl
5.3.7 In einem Sessel
5.4 Das Tor zum Ich

5.1 Erklärung

Die meditativen Übungen betrachte ich als den anspruchvollsten Weg zu einer Selbstentspannung.

In unserer heutigen modernen Zeit erweist sich dieser „Weg nach Innen“ durch die „klassische Meditation“ am schwersten. Die starke Ich-Bezogenheit und die ständige Hektik stehen der Vertiefung und der inneren Ruhe in vielfältiger Weise entgegen. Hinzu kommt, dass die Meditation unserer westlichen Kultur äußerst fremdartig erscheint.

Vielen fällt bei dem Begriff „Meditation“ meist auch Worte wie „Bewusstseinserweiterung“ oder ähnliches in den Sinn. Daher auch meist der Respekt und Scheu vor diesem Thema.

Um so verblüffender ist es dann auch, wenn einem erzählt wird, dass man diese Bewusstseinszustände häufig für kurze Zeit selbst schon erlebt hat. Besonders Kindern fällt die Meditation nicht so schwer, weil sie ohne große Vorbehalte und Erwartungen damit beginnen.

Es ist ein Zustand der völligen Entspanntheit, den man auch als einen Zustand geistiger „Leere“ beschreiben könnte, bei der man den Einflüssen der Umgebung entrückt.

Meine Empfehlung ist es, über das Autogene Training zur Meditation zu gelangen. Dies ist meist einfacher und mit weniger Frust für den europäischen Anfänger verbunden.

Ich persönlich unterscheide die Meditation in die wertfreie und die ideologisierte Form.

Ich gehe hier allerdings nur auf die wertfreie Form der Meditation ein, da sie frei von Werten und Ideologien ist. Es handelt sich also bei diesen Übungen in erster Linie um „gelenkte Phantasien“. Dies können Bilder, Symbole oder Begriffe wie Geborgenheit, Ozean, Wärme oder ähnliches sein.

Die Konzentration auf einen Begriff oder Bild erleichtert dabei die Fokussierung und Hinwendung zu einer absoluten Ruhe. Das dadurch Phantasie und Kreativität angeregt werden dürfte niemanden überraschen. Nach einer gewissen Übungszeit werden die vorgegebenen Bilder dann durch eigene ersetzt, da sie nur Anregungen darstellen.

 

5.2 Ort und Zeit

Das örtliche und zeitliche Umfeld zur Meditation ist vor allem am Anfang von Bedeutung. Generell sollte man grundsätzlich genug Zeit nehmen und nicht mit vollem Magen oder nach alkoholischen Getränken oder ähnlichem versuchen zu meditieren. Vorteilhaft ist auf jeden Fall ein stiller, gut durchlüfteter und temperierter Raum. Man kann selbstverständlich auch im Freien üben.

 

5.3 Meditationshaltungen

Die richtige Haltung für die Meditation ist für den Übenden unerlässlich. Auch hier gilt, „richtig“ ist das, was dem Einzelnen am meisten zusagt. Ich beschreibe hier 7 verschiedene Haltungen die für die Meditation geeignet sind. Die wohl berühmteste Sitzhaltung ist der Lotussitz, die im übrigen für Anfänger ungeeignet ist, da sie sehr viel Übung erfordert und deshalb für den Anfänger nicht ungefährlich ist.

 

 

5.3.1 Der Lotussitz

Der Lotussitz ist wohl die berühmteste Sitzhaltung in der Meditation.
Der rechte Fuß ruht dabei auf dem linken Oberschenkel und der linke Fuß auf dem rechten Oberschenkel. Für Anfänger (westliche Menschen) ist der Lotussitz anfangs ungeeignet, weil er sehr schwer einzunehmen ist. Allerdings gibt er rein optisch (nicht wichtig!!!) wohl am meisten her. Vielleicht ist das der Grund, weshalb sich so viele die Mühe machen, ihn zu beherrschen.

Jedoch werden Sie sich am Anfang eher auf die schmerzenden Beine, als auf die anfänglichen Übungen konzentrieren können.

 

5.3.2 Der „halbe“ Lotussitz

Sitzen Sie aufrecht. Ziehen Sie den einen Fuß an die Innenseite des Oberschenkels und legen Sie den anderen Fuß über Kreuz mit nach oben gerichteter Fußsohle an den anderen Oberschenkel.

Die Hände liegen dabei meist locker im Schoß, wobei es verschiedene Möglichkeiten gibt, wie man die Hände hält. Eine klassische Handhaltung ist es, wenn die linke Hand in die rechte gelegt wird und die Daumen sich dabei berühren. Eine andere Möglichkeit ist, die Hände mit nach oben geöffneten Handflächen auf die Knie zu legen. Zur besseren Bequemlichkeit kann man sich auf ein kleines Kissen setzen.

 

5.3.3 Der Schneidersitz

Beim Schneidersitz verschränkt man die Beine nur locker. Die Knie sind somit knapp über dem Boden. Wichtig ist auch hier eine aufrechte Körperhaltung.

Die Handhaltung kann wahlweise wie beim („halben“) Lotussitz sein. [wie beim „halben“ Lotussitz]. Die Hände liegen dabei meist locker im Schoß, wobei es verschiedene Möglichkeiten gibt, wie man die Hände hält. Eine klassische Handhaltung ist es, wenn die linke Hand in die rechte gelegt wird und die Daumen sich dabei berühren. Eine andere Möglichkeit ist, die Hände mit nach oben geöffneten Handflächen auf die Knie zu legen. Zur besseren Bequemlichkeit kann man sich auf ein kleines Kissen setzen.

 

5.3.4 Der Fersensitz

Der Fersensitz dürfte für den Anfänger etwas unbequem sein, sowohl für die Knie als auch für den Po.

Man setzt sich dabei bei angewinkelten Beinen auf seinen Fersen. Die Füße bilden dabei ein Dreieck, wobei der eine Zeh über dem anderen liegt (die Zehen bilden die Spitze des Dreiecks). Zur besseren Bequemlichkeit kann man auch ein Kissen zwischen Gesäß und Fersen legen. Selbstverständlich sollte auch hier eine entspannte gerade Oberkörperhaltung eingenommen werden.

 

5.3.5 Im Liegen

Diese Meditationshaltung ist die bequemste und entspannendste. Man liegt dabei dem Rücken, wobei die Arme wahlweise auf dem Bauch oder neben dem Körper liegen. Nachteile dieser Position sind vor allem das ungewollte Einschlafen und das mangelnde Gefühl des aufsteigenden Atemstroms.

 

5.3.6 Auf einem Stuhl

Diese Haltung ist für das Training ebenfalls eher ungeeignet, weil man meist nicht die gewisse Anzahl von Stühlen zur Verfügung hat und andere Haltungen gleich gut ihren Zweck erfüllen. Der Nachteil beim Stuhl ist, dass er meistens nicht über eine Kopflehne verfügt, die verhindert, dass der Kopf abknickt.

Aus diesem Grund muss der Kopf wie beim Lotussitz und dem Schneidersitz gerade gehalten werden.

Die Hände werden einfach locker in den Schoß gelegt. Diese Position ist vor allem auf langen Reisen hilfreich.

 

5.3.7 In einem Sessel

Diese Haltung ist für das Training eher ungeeignet, weil man meist nicht die gewisse Anzahl von Sesseln zur Verfügung hat und andere Haltungen gleich gut ihren Zweck erfüllen. Der Sessel sollte auf jeden Fall über eine Kopflehne verfügen, die verhindert, dass der Kopf abknickt. Die Hände werden einfach locker in den Schoß gelegt. Wahlweise kann man dabei die Füße ausstrecken oder zum Schneidersitz anziehen. Diese Position ist vor allem auf langen Reisen anwendbar.

 

5.4. Das Tor zum Ich

Wenn Sie nun ihre Meditationshaltung eingenommen haben müssen Sie zuerst zur Ruhe kommen.

Wie beim Autogenen Training erreichen Sie dies durch die „konzentrative Entspannung“.

Im Grunde beginnen Sie mit „Bewusstes Wahrnehmen des Körpers“ aus dem Autogenen Training und den folgenden Unterstufen. Hier kann natürlich jeder seinen individuellen Weg gestalten wie er möchte. Beispielhaft gebe ich hier einen möglichen Weg:

 

- Konzentrieren Sie sich auf ihren Körper und spüren Sie den Kontakt zum Boden

- Fühlen Sie in sich hinein und werden Sie zum eigenen Zuschauer

- Entspannen Sie ganz bewusst alle Muskeln.

- Wenden Sie ihre Aufmerksamkeit auf ihren Atem.

- Verfolgen Sie ihren Atem vom Einatmen bis zum Ausatmen.

- Beim Einatmen fließt der Atem nach unten zur Körpermitte und anschließend steigt er wieder auf

- Seien Sie ganz in sich versunken

- Alle äußeren Reize stören nicht mehr

- Seien sie allem passiv gegenüber und lassen sie alles mit sich geschehen.

- Seien Sie vollkommen ruhig und entspannt.

- Überlassen Sie sich ihren eigenen Gefühlen, Gedanken und Phantasien und spüren Sie dabei ihren aufströmenden warmen Atem

 

Anschließend lösen sie die Entspannung wieder durch kräftiges Recken und Strecken. Atmen Sie tief durch und öffnen Sie die Augen.

 

Viele werden diese Anweisung als unpräzise und zu allgemein betrachten. Eine allgemeine Wahrheit gibt es bei der Meditation jedoch genauso wenig wie den einzigen richtigen Weg oder die einzig richtige Methode.