Abwehr eines Angriffs mit dem Messer

Training allgemein, Techniken, rechtliche Grenzen und so weiter
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seomin
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Abwehr eines Angriffs mit dem Messer

Beitrag von seomin »

Wenn ich an die vielen Spiel- Filme denke, an die Messerkämpfe dort, dann sollte ich doch einiges darüber wissen?

Leider ist im Film vorher festgelegt, wer von den beiden Schauspielern der " Held " ist und daher den Messerkampf überleben wird.
Noch immer werden auch im Kampfsport von Trainern, die sich nicht mit dem Thema " Messerabwehr " beschäftigt haben, sinnfreie Techniken vorgestellt.
Ein erfahrener Messerkämpfer und selbst der " unerfahrene Angreifer " setzen das Messer meist verdeckt und schnell ein.
Einfach die Zeitungsberichte über den Angriff mit einem Messer sorgfältig lesen.
Da hat eine Frau ohne Erfahrung einen Polizeibeamten bei einer Kontrolle ein " Brotmesser " in den Bauch gestoßen und hat er das Messer gesehen? Vermutlich nicht.

Was ich verantwortungslos nenne, ist wenn Kampfsport-Meister schöne abgesprochene Messerabwehr-Techniken zeigen und den Schülern verkaufen, dies ist die richtige Antwort auf einen Messerangriff.
Leider gibt es einige Beispiele dafür, sogar einige Berichte in der Tageszeitung über diese " Meister ".

Wer glaubt er kann einen Messerangriff ohne eigene Verletzungen überstehen, der denkt auch der Osterhase bringt die Ostereier.

Bevor ich weiter auf dieses Thema eingehe.
Wie wird es bei Euch im Training gemacht?
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Mahony
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Re: Abwehr eines Angriffs mit dem Messer

Beitrag von Mahony »

Hallo seomin
seomin hat geschrieben:
So 5. Jul 2020, 12:08
Wer glaubt er kann einen Messerangriff ohne eigene Verletzungen überstehen, der denkt auch der Osterhase bringt die Ostereier.
Ja, da hast du absolut recht.
Eine Messerabwehr geht zu 99 Prozent nicht ohne eigene Verletzungen vonstatten. Dessen MUSS sich der Schüler bewusst sein, und dies MUSS auch von einem Meister entsprechend vermittelt werden. Alles andere ist fahrlässig und verantwortungslos.

Die beste Messerabwehr besteht nun einmal darin, nicht da zu sein!
Allerdings ist dies ja nun leider nicht immer möglich, weil (wie Du ja schon richtig geschrieben hast) man das Messer ja oftmals gar nicht sieht, und einen Angriff den man nicht kommen sieht den kann man auch nicht abwehren.

Nichts desto Trotz werden im Training aber dennoch Abwehrtechniken unterrichtet und das aus dem Grund, dass man, sofern man das Messer vor dem Angriff zu sehen bekommt, und keine Chance zur Flucht hat, man wenigstens eine (wenn auch nur geringe) Chance hat den Angriff eventuell zu überleben.
seomin
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Re: Abwehr eines Angriffs mit dem Messer

Beitrag von seomin »

Danke für diese Antwort, stimme Dir vollkommen bei.

Was ich - ist meine persönliche Ansicht - bei der Messerabwehr hervorheben würde,
ich habe glücklicher Weise keine praktischen Erfahrungen machen müssen.
Daher beruht mein " Wissen " auf der Lehrmeinung von meinen Ausbildern auf einem Lehrgang in Combat Arnis,, den Hinweisen aus dem Buch von Andreas Häckel,
Lehrgang bei Erich Reinhardt und aus seinem Buch: Ju-Jutsu Praxis
( Seine Worte aus dem Buch: Die Waffenabwehr ist das schwierigste und gefährlichste Kapitel jeder Selbstverteidigung ).

Im Taekwondo hat sich mein Trainer nicht lange mit der SV beschäftigt,
unsere Schule war auf Kyorugi ( Sparring ) Wettkampf ausgerichtet.

Was ich daher für eine gute Idee halte, einige größere Verbände machen sich Gedanken über die Ausbildung in Selbstverteidigung.
Daher gibt es Lehrgänge die die Grundlagen der Selbstverteidigung den Schülern näher bringen sollen.
Neben einem theoretischen Teil werden auch praktische Übungen, Drills, usw. vermittelt.
Die Schüler sollen klar erkennen, jede Abwehr von einem Messer-Angriff, Stock, abgebrochene Glas-Flasche
ist meistens ohne eigene Verletzungen nicht möglich.
Wenn der Ausbilder das beachtet und die Grundlagen vermittelt, ist das in meinen Augen eine gute Sache.

Dein Satz in roter Schrift ist für mich die beste Wahl unbeschadet davon zu kommen.

Was ich begrüßen würde, wenn sich mehr User bei diesem Thema und bei den anderen einbringen würden.
Dieses Form hat mich zuerst von seinen wirklich guten Beiträgen zu den einzelnen Bereichen des Taekwondo oder Taekwon-Do überzeugt.
Für diese Arbeit möchte ich den Forums-Mitarbeitern ein großes Lob aussprechen.

Danke

PS: Ich habe meinen Beitrag etwas umgestellt, da ich zuerst dachte, es handele sich um eine PN.
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Mahony
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Re: Abwehr eines Angriffs mit dem Messer

Beitrag von Mahony »

Hallo seomin
seomin hat geschrieben:
Mo 6. Jul 2020, 17:36
Seine Worte aus dem Buch: Die Waffenabwehr ist das schwierigste und gefährlichste Kapitel jeder Selbstverteidigung
Ja, diese Aussage ist vollkommen korrekt!
Aus genau diesem Grunde ist es auch so, dass die Schüler (einer jeden Kampfkunst) zunächst einmal ausgiebig und bis zur Perfektion die Grundlagen ihrer Kampfkunst trainieren sollten (und müssen) bis diese ihnen in Fleisch und Blut übergehen und automatisiert ablaufen können.
Dies befreit den Schüler von der "Auswahl" einer Abwehrtechnik oder auch Angriffstechnik (was unnötig wertvolle Zeit kostet) und lässt ihn dadurch auf natürliche Weise reagieren.
Erst dann können und sollten entsprechende Selbstverteidigungstechniken (auch hier wieder bis zur Perfektion) trainiert werden... und dieses Training muss dann auch laufend konsequent fortgeführt werden.

In einem echten Kampf kommt es übrigens nicht darauf an, tausende Techniken drauf zu haben, sondern man verwendet die Techniken die einem besonders liegen und variiert diese dann der jeweiligen Situation entsprechend angepasst.

Ein jeder Kämpfer, der schon einige Kämpfe hinter sich hat, weiß aus eigener Erfahrung dass er höchsten zehn Prozent seiner erlernten Techniken, in einem Kampf, sicher einsetzen kann (und dieser Prozentsatz ist schon recht hoch gegriffen)!
seomin hat geschrieben:
Mo 6. Jul 2020, 17:36
Was ich daher für eine gute Idee halte, einige größere Verbände machen sich Gedanken über die Ausbildung in Selbstverteidigung.
Daher gibt es Lehrgänge die die Grundlagen der Selbstverteidigung den Schülern näher bringen sollen.
Hm...ein Lehrgang wird dir da nicht allzu viel bringen (siehe meine Ausführungen oben), denn um sich gut Selbstverteidigen zu können, muss der Schüler im ständigen Training sein und bleiben.
seomin hat geschrieben:
Mo 6. Jul 2020, 17:36
Die Schüler sollen klar erkennen, jede Abwehr von einem Messer-Angriff, Stock, abgebrochene Glas-Flasche
ist meistens ohne eigene Verletzungen nicht möglich.
Diese Erkenntnis, kann man seinen Schülern auf recht einfache und eindrucksvolle Weise vermitteln...und zwar so: Ein Schüler (der den Angreifer spielt) bekommt einen Edding-Stift als Messer-Ersatz und der andere Schüler (der Verteidiger) muss versuchen die Angriffe abzuwehren.
Bei dieser relativ ungefährlichen Angriffs-Methode darf der Schüler der den Angreifer spielt so vorgehen wie er möchte (z.B. schnelle Stiche zum Körper, Griffwechsel, hinterhältige überraschende Angriffe...also alles das was in einem echten Messerkampf vorkommen kann).
Am Ende eines solchen "Kampfes" sieht jeder der beteiligten Schüler wie das Ergebnis aussehen würde...nämlich unzählige Stich und Schnitt-Verletzungen!
seomin
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Re: Abwehr eines Angriffs mit dem Messer

Beitrag von seomin »

Hallo Mahony

eine gute Antwort.

Worauf ich besonders Wert lege, das sind die Zeilen, die Du in Deinem Text in roten Buchstaben hervorgehoben hast.
Da fällt mir das Buch von Marc " Anmimal " MacYoung & Chris Pfouts ein,
Sicherheit in der City, im Vorwort finden sich folgende Zeilen:

" Bevor Du vermeiden kannst, das Opfer eines Verbrechens zu werden, mußt Du etwas über Deinen Angreifer wissen."
Dessen geistige Einstellung, sich völlig von Deiner unterscheidet.

Daher, ist meine persönliche Meinung dazu, kann ich den Schalter im Kopf nicht auf den Modus
einstellen, den Angreifer zu verletzen, mich mit allen Mitteln zu wehren.

Ob ich das kann? Hoffentlich muß ich das nie feststellen.
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Mahony
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Re: Abwehr eines Angriffs mit dem Messer

Beitrag von Mahony »

Hallo seomin
seomin hat geschrieben:
Di 7. Jul 2020, 09:48
Daher, ist meine persönliche Meinung dazu, kann ich den Schalter im Kopf nicht auf den Modus
einstellen, den Angreifer zu verletzen, mich mit allen Mitteln zu wehren.
Du hast da absolut recht. Den Schalter im Kopf auf Kampfmodus umstellen zu können und auch der Wille zum Siegen, ist elementar in einem echten Kampf.
Um das zu erreichen (den Schalter im Kopf umstellen zu können), erfordert es eben genau DAS, nämlich zu trainieren.

Wie geht man dabei vor, willst du wissen?
Man stellt sich immer wieder gefährliche Situationen vor, und übt Gedanklich die (eigenen) Reaktionen darauf.
Körper und Geist reagieren nämlich IMMER gemeinsam. Das bedeutet, auch gedankliches Training hat eine Wirkung auf unsere Realität und für unser Unterbewusstsein macht es keinen Unterschied ob es nur ein Gedankenspiel ist oder diese Situation tatsächlich stattfindet.
Kommst du dann tatsächlich in eine gefährliche Situation, dann wirst du vom Geschehen nicht mehr derartig geschockt sein dass du nicht (oder nicht rechtzeitig) reagieren kannst (da dein Unterbewusstsein eine derartige Situation durch das geistige Training ja bereits kennt).

Du merkst, dieses Thema ist sehr Umfangreich und ich könnte viele Bücher darüber schreiben, wenn es diese nicht bereits gäbe.
seomin
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Re: Abwehr eines Angriffs mit dem Messer

Beitrag von seomin »

Hallo

zuerst einmal ein Danke für die freundliche und ausführliche Antwort.

Aus Deinem Schreiben kann ich entnehmen, Du hast Dir einige Gedanken über die Selbstverteidigung,
auch über das Modul : Messerabwehr gemacht.
Die Messerabwehr oder besser der Angriff mit einem Messer über den lese ich leider immer wieder in der Tageszeitung oder anderen Medien.
Leider enden viele Messer -Angriffe für die Opfer im Krankenhaus und später auf dem Friedhof.

Dein Vorschlag mit dem Edding -Stift ist für das praktische Training eine Erfahrung für beide Partner, die den Messerangriff und die Abwehr üben.
Was ich - ist meine persönliche Erfahrung - hervorheben möchte.
Ist die von Dir angesprochene mentale Vorbereitung. Ohne die sind viele Menschen extremer körperlicher und mentaler Gewalt nicht gewachsen.

Daher ist der Trainer oder Lehrer der Kampfkünste eine sehr wichtige Person.
Anders als in anderen Sportarten kann eine Fehleinschätzung der Schüler - vermittelt durch den Gedanken, unsere Kampfkunst macht mich unbesiegbar - nicht einfach zurückgenommen werden.

Bestimmt kommen noch einige gute Beiträge.
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