Die Formenschule im Taekwon-Do, Taekwondo

generelle Fragen zu Technik, Ausdruck, Präzision, Poomse
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seomin
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Die Formenschule im Taekwon-Do, Taekwondo

Beitrag von seomin »

In unserem Verein wird die Formen-Schule Hyong unterrichtet,
vorher hatte ich schon einige Erfahrungen mit der Formenschule des Shotokan- Karate machen dürfen.

Bei allen Formen, gibt es ein Diagramm, einen Namen für die Form und
verschiedene Bewegungen.
Der Anfangspunkt und der Endpunkt sollen nach Möglichkeit übereinstimmen.
Jetzt habe ich mir gründlich den Text unter Formen - werden gut beschrieben - durchgelesen.


Was soll ich durch die Formen lernen?

Ob es an der Ausrichtung unseres Stils am Wettkampf- Modus " Leichtkontakt " liegt?
Weder die Stellungen, noch die verschiedenen Abwehr-Techniken .. die in den Formen vermittelt werden
habe ich je beim Sparring verwenden können.

Die Formenlehre als Grundlage für die Selbstverteidigung - etwa beim Karate das Bunkai -.
Da möchte ich jetzt keinen beeinflussen aber Selbstverteidigung schreibt man anders als Bunkai
oder Formen-Lehre und hat ein ganz anders Ziel.

Was vermittelt oder soll mir die Formenlehre wichtiges erläutern, das ich nicht schon
beim Technik- Training vom Trainer vorgeführt bekam.
Beim Sparring lerne ich ganz andere Dinge, wie eine andere Beinarbeit, verschiedene Kombinationen,
unterbrochenen Rhythmus, usw.
das alles finde ich in keiner Form.

Es wäre super, wenn mir ein User erklären würde, warum er die Formen-Schule für wichtig erachtet
und welchen tieferen Sinn ich darin nicht erkannt habe.

Hoffentlich habe ich keinen verärgert.
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Mahony
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Re: Die Formenschule im Taekwon-Do, Taekwondo

Beitrag von Mahony »

Hallo seonim
seomin hat geschrieben:
Fr 7. Aug 2020, 17:24
Es wäre super, wenn mir ein User erklären würde, warum er die Formen-Schule für wichtig erachtet
und welchen tieferen Sinn ich darin nicht erkannt habe.
Durch das Formenlaufen, lernt der Schüler die Techniken korrekt auszuführen.
Die ständigen Wiederholungen, trainieren die Feinmotorik, das Gleichgewicht, den Wechsel zwischen Spannung und Entspannung und die gesamte Muskulatur.
Zudem werden in den Formen auch jene Techniken trainiert, welche in einem Sparringskampf niemals trainiert werden können, da sie zu gefährlich wären (z.B. Fingerspitzenstich zum Hals, Handkantenschläge zur Schläfe oder zum Hals, Fingerspitzenstich zu den Genitalien u.s.w).
seomin
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Re: Die Formenschule im Taekwon-Do, Taekwondo

Beitrag von seomin »

Danke für die Antwort, hätte von meinem Trainer im Shotokan - Karate sein können.

Jetzt habe ich aber in der Ausgabe August Taekwondo - Aktuell
einen Bericht von Volker Kinder Autor des Buches: " Die verborgenen Bewegungen der Poomsae"
gelesen.

Der Autor schreibt: Poomsae application hebt sich deutlich vom Rest des Taekwondo ab.
...Die Poomsae sollen den Sportler ursprünglich auf echten Kampf vorbereiten.
Daher soll ich aus der Poomsae eine beliebige Bewegungsfolge herausnehmen und kann damit eine Kampfsituation simuliere

Das Buch soll natürlich auch verkauft werden und der 1. Band vermittelt Beispiele aus der 1. bis 3. Form.
Weitere Bücher werden bald folgen.

Das macht mich nachdenklich.
Wie kann ich alleine eine Kampfsituation simulieren.
Ohne Partner ist es nicht möglich, die Kampfdistanz einzuhalten, für die Beintechniken die Weitdistanz, Halbdistanz Schlag- und Tritt-Techniken, Nahdistanz die sollte ich vermeiden, da dort geklammert, Würfe versucht werden( und eventuell ein Angreifer ein Messer einsetzen kann) , usw.

Ein echter Kampf ist da an die Selbstverteidigung gedacht?
Wie übe ich das ohne Partner?

:roll:
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Mahony
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Re: Die Formenschule im Taekwon-Do, Taekwondo

Beitrag von Mahony »

seomin hat geschrieben:
Mi 19. Aug 2020, 15:31

Ein echter Kampf ist da an die Selbstverteidigung gedacht?
Wie übe ich das ohne Partner?
Ja, das hat auch mit Selbstverteidigung zu tun.
Beim Formenlaufen geht es um Imagination. Man stellt sich echte Kampfsituationen vor, und reagiert entsprechend darauf.

Da JEDER Kampf, IMMER anders abläuft (es gibt niemals eine Kampfsituation die sich jemals wiederholt) schult man somit seinen Geist (Imagination) und auch seinen Körper (reflexartige Reaktionen).
Körper und Geist reagieren nämlich IMMER und Grundsätzlich gemeinsam. Das ist wissenschaftlich erwiesen.
Das führt letztendlich dazu, dass ein Kämpfer (im Idealfall) auf jegliche Arten von Angriff vorbereitet wird und entsprechend reagieren kann.
seomin
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Re: Die Formenschule im Taekwon-Do, Taekwondo

Beitrag von seomin »

Hallo Mahony

Du stellst Deine Gedanken klar vor:

Da JEDER Kampf, IMMER anders abläuft (es gibt niemals eine Kampfsituation die sich jemals wiederholt) schult man somit seinen Geist (Imagination) und auch seinen Körper (reflexartige Reaktionen).
Körper und Geist reagieren nämlich IMMER und Grundsätzlich gemeinsam. Das ist wissenschaftlich erwiesen.
Das führt letztendlich dazu, dass ein Kämpfer (im Idealfall) auf jegliche Arten von Angriff vorbereitet wird und entsprechend reagieren kann.
[/quote]

In vielen Punkten stimme ich Dir voll zu.
Jeder Kampf läuft anders ab. Daher üben wir im Sparring mit verschiedenen Partner/innen,
einige bevorzugen die Langedistanz andere die Halbdistanz wo Hand- und Fußtechniken eingesetzt werden; die Nahdistanz werde ich vermeiden, wenn ich der größere Kämpfer bin und meine Reichweite ausspielen möchte.
Das ist aber eine völlig andere Baustelle als das Modul: Selbstverteidigung!

Es ist die wichtigste Aussage:" Geist und der Körper sollten eine Einheit sein"
Das ist aber leicht gesagt und klappt nicht immer.
Wird bei Wettkämpfen immer sehr deutlich, die bis zum K.O geführt werden.
Oder wenn die Anforderungen an einen selbst immer größer werden.
Wie viele Teilnehmer haben bei den Olympischen Spielen diesem Druck nicht standgehalten

Habe meinen Text etwas verändert, da ich dieses Thema für sehr wichtig halte und
extra darauf eingehen und Deine Einsichten dazu erfahren möchte.



Was lerne ich daher beim Formenlauf?
Meine Ansichten sind verschiedenen von Deinen - aber warum sollten wir auch übereinstimmen?
Jeder sollte seine eigenen Gedanken bei diesem Thema einbringen und freundlich mit den anderen Usern sich austauschen.

Lerne ich wie ich sinnvolle Kombinationen vorbereite, welche Kampfstellung für mich die beste ist,
wie ich einen Schlag oder Tritt nehmen kann ohne Schlagwirkung?
Nur im Sparring und besonders im sportlichen Wettkampf ist es absolut wichtig, dass Geist und Körper eine Einheit sind..
In der Selbstverteidigung wird es die entscheidende Frage sein.

Ob ich einige Zeilen aus " ZEN in den Kampfkünsten Japans " von Taisen Deshimaru-Roshi, Kristkeitz Verlag,
als Hinweis einfügen soll?

" Die Kraft des Körpers, der Technik und des Geistes liegen mehr oder weniger eng beieinander,
doch immer entscheidet shin, der Geist, über den Ausgang eines Kampfes."


Bis bald
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Mahony
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Re: Die Formenschule im Taekwon-Do, Taekwondo

Beitrag von Mahony »

Hallo seonim
seomin hat geschrieben:
Mi 19. Aug 2020, 21:03
Was lerne ich daher beim Formenlauf?

Lerne ich wie ich sinnvolle Kombinationen vorbereite, welche Kampfstellung für mich die beste ist,
wie ich einen Schlag oder Tritt nehmen kann ohne Schlagwirkung?
Du lernst, wie du Techniken exakt ausführst. Kombinationen von Techniken lernst du natürlich auch.
Sie sinnvoll zu kombinieren, hängt jedoch auch immer von der jeweiligen Kampfsituation ab.

Wenn ein Anfänger mich fragt, was machst du wenn ich dich so oder so angreife, dann sage ich ihm - es gibt darauf keine allgemein gültige Antwort, da es immer auf die jeweilige Situation ankommt. Zudem gäbe es auch zig verschiedene Möglichkeiten zu reagieren. Derartige Fragen sind also nicht zielführend, denn zu kämpfen lernt man nur indem man kämpft.




Übe die Formen und du wirst, im Laufe der Zeit, erkennen welchen Nutzen sie dir bringen.
Kampfkunst muss gelebt werden, weniger Diskutiert, denn wenn du ewig nur herum diskutierst ohne zu trainieren wirst du die Kampfkunst nie wirklich verstehen und auch nicht wirklich erlernen.

P.S. Wenn es dir lediglich darum geht, wie du am besten kämpfen lernst und womöglich unbesiegbar wirst (wobei es niemals einen unbesiegbaren Kämpfer geben wird, weil jeder irgendwann mal seinen Meister findet) dann bist du bei den Kampfkünsten falsch aufgehoben.

Du kannst niemals einen anderen besiegen, wenn du nicht weißt, wie du dich selbst besiegen kannst.
seomin
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Re: Die Formenschule im Taekwon-Do, Taekwondo

Beitrag von seomin »

Nach Deiner Antwort habe ich mir die Ausgabe August der Taekwondo - Aktuell wieder geholt.

Dort werden zwei Themen behandelt, Taekwondo für die Selbstverteidigung und Poomsae application.

Ist Taekwondo zur Selbstverteidigung geeignet? Hermann Deeg, 7. Dan Taekwondo
Da stimme ich mit dem Autor nicht völlig überein.
Er schreibt unter anderem :
" Reines Taekwondo hat in Sachen SV Defizite, vor allem bei Angriffen in der nahen Distanz und am Boden."

Wo ich ihm zustimme : Entscheidend für eine erfolgreiche Selbstverteidigung ist immer die Entschlossenheit der Angriffe. SV zielt grundsätzlich auf K.O. Punkte des Gegners.

Weiter finde ich den Artikel:
Autor Volker Kinder: " Die verborgenen Bewegungen der Poomsae " oder Poomsae application.
Er schreibt unter anderem : " Das bedeutet, daß man aus einer beliebigen Poomsae eine Sequenz oder eine andere Bewegungsabfolge herausnehmen kann und eine Kampfsituation damit simuliert.

Ich suche eine Sequenz heraus und tüftele dafür die entsprechende SV - Situation.
So stelle ich mir SV aber nicht vor.

Nehme ich die Hyong`s die ich einmal geübt habe.
Dann muß ich einfach ehrlich sein.
Keine der verschiedene Stellungen habe ich je im Freikampf benutzt.
Auch keine aus den höheren Hyong. Ist aber meine persönliche Erfahrung.

Aber ich habe ein Buch in meinem Bücherschrank:
Alexander Kelch, Taekwondo professional. Pietsch Verlag -nur noch als gebrauchte Ausgabe -
Training, Taktik, Selbstverteidigung
da finde ich viele Beispiele für die Selbstverteidigung mit Taekwondo.
Selbst der Bodenkampf wird angesprochen und die Bedrohung und Angriff mit einer Waffe.
Das Foto zum Buch füge ich nachträglich ein, vergessen.

Nachdem ich die Ausgabe August erneut gelesen habe.
Werde ich zur Abwechslung die Vitalpunktstimulation in den Formen als Thema aussuchen.
Vielleicht finde ich da die entscheidenden Hinweise.

:roll:

PS: Da ich meinen Beitrag überarbeitet habe.
Kampfsport ist ein Hobby für mich. Sollte mir aber auch die Möglichkeit geben,
werde ich angegriffen und habe alle Warnsignale verschlafen, mich zu verteidigen.
Ob ich gewinne? Ich werde auf jeden Fall versuchen dem Angreifer möglichst viele Schmerzen zu zufügen.
Damit er deutlich erkennt, ich bin kein Opfer!!!
Dateianhänge
Alexander-Kelch+Taekwondo-professional.jpg
Alexander-Kelch+Taekwondo-professional.jpg (17.76 KiB) 3682 mal betrachtet
59648168n.jpg
59648168n.jpg (17.24 KiB) 3707 mal betrachtet
seomin
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Re: Die Formenschule im Taekwon-Do, Taekwondo

Beitrag von seomin »

Meinen Beitrag möchte ich erweitern.

Habe ich einfach überlesen,
in der Taekwondo Aktuell, Ausgabe Juli 2020

findet sich unter: Medienmarkt, geschrieben von Marc Sigle
www.bushido-esslingen.de
Kenpo- Karate oder American Karate -Gründer Ed Parker -
eine Empfehlung für ein Lehrvideo - von :


www.abanico.de
Dieter Knüttel, ein bekannter Meister der philippinischen Kampfsport-Arten hat den Lehrgang von
Dan Anderson, 10 Dan gefilmt und übersetzt.

Titel: Wie Formentraining das Kämpfen verbessert

Da finde ich wieder die Worte, von Mahony,

Anderson erzählt wie er selbst für sich nach einer Verbindung zwischen Formen und dem freien Kampf gesucht hat.... Er fand heraus, welche Attribute einen guten Kämpfer ausmachen und wie sich diese mithilfe von Formen trainieren lassen.
Daher habe ich diesen Hinweis eingefügt.

Habe das Lehrvideo noch nicht gekauft.

Nachtrag[/b

Was ich noch einfügen möchte.
Die Überlieferung der Kata - spreche jetzt von Okinawa - war eine verschlüsselte Form einer Kampfhandlung.
Was finde ich in der Literatur, die Meister auf Okinawa schreiben, die Auflösung ist in vielen Kata`s verloren gegangen.
Daher was möchte Bunkai - oder die Analyse - einer Form anderes bringen als die Vorstellung eines bestimmten Karate-ka .
Die Poomsae oder die Taeguk - Übungsfiguren wurden von der WT vorgestellt.
Daher leben die Meister noch, die diese Formen geschaffen haben.
Sind die neuen Formen eine Abgrenzung zur Formenlehre des ITF- Taekwondo?

Oder soll damit die Erinnerung wach gehalten werden, für was Taekwondo einmal gedacht war, bevor
es für die Olympischen Spiele verändert wurde?

Da hätte ich gerne eine Auskunft!
:roll:
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